TOCA RF Check
Strahlung und SAR
Diese Seite vermittelt grundlegendes Wissen über SAR. Das Ziel ist ein bewussterer Umgang mit Technologie, nicht deren Ablehnung.
Strahlungsquellen
Strahlungsquellen lassen sich in zwei Kategorien einteilen: natürliche und künstliche. Strahlung ist seit jeher ein natürlicher Bestandteil unserer Umwelt.
Künstliche Strahlung wird seit etwa 150 Jahren, seit der industriellen Revolution, emittiert. Auf künstliche Quellen entfallen schätzungsweise etwa 15 % der Gesamtbelastung. In industrialisierten Ländern kann dieser Anteil aufgrund des weitverbreiteten Technologiezugangs bis auf 50 % steigen.
Medizin 14 %, Kernindustrie 1 %
Radon 42 %, Gebäude/Boden 18 %, Kosmisch 14 %, Nahrung/Wasser 11 %
Strahlungsquellen (2016)
Das elektromagnetische Spektrum
Elektromagnetische Strahlung wird anhand von Frequenz oder Wellenlänge in das elektromagnetische Spektrum eingeordnet.
Nicht-ionisierende Strahlung liegt am unteren Ende des elektromagnetischen Spektrums. Sie trägt nicht genug Energie, um molekulare Bindungen zu brechen oder Atome zu ionisieren. Dennoch ist längere Exposition gegenüber nicht-ionisierender Strahlung nicht ohne Risiko.
UV-Strahlung fördert in kleinen Dosen die Vitamin-D-Produktion im Körper. In zu großen Mengen verursacht sie Schäden auf molekularer Ebene. Das auf die Erde treffende Sonnenlicht ist größtenteils nicht-ionisierend: Die Atmosphäre filtert ionisierende UV-Strahlung durch Gase wie Sauerstoff heraus.
Der SAR-Wert
SAR (Spezifische Absorptionsrate) ist die absorbierte Leistung nicht-ionisierender Strahlung pro Masseneinheit biologischen Gewebes, ausgedrückt in W/kg. Jedes Mobiltelefon verfügt über einen zertifizierten SAR-Wert.
Dieser Wert ist im Gerätehandbuch, in den Telefoneinstellungen oder in einer Online-SAR-Datenbank zu finden. Ähnlich wie Lebensmittel mit Nährwertangaben gekennzeichnet werden, enthalten Telefone Hinweise zur HF-Exposition. Alle Telefone empfehlen, das Gerät nicht direkt am Kopf oder Körper zu tragen.
Hersteller messen den SAR-Wert unter Laborbedingungen, die oft nicht der realen Nutzung entsprechen. Daher empfehlen sie, das Telefon mit Abstand zum Kopf oder Körper zu verwenden. Je niedriger der SAR-Wert, desto besser.
Definition
Spezifische Absorptionsrate (SAR)
Die Rate, mit der Energie pro Masseneinheit Körpergewebe absorbiert wird, wenn dieses hochfrequenten elektromagnetischen Feldern ausgesetzt ist.
Einheit: W/kg (Watt pro Kilogramm Gewebe)
SAR-Messung und Grenzwerte
SAR-Grenzwerte sind eine relativ junge Entwicklung
Lange Zeit gab es keine einheitlichen SAR-Standards für die Mobilfunkbranche, da keine gesetzliche Verpflichtung bestand. In den USA legte die FCC 1992 Sicherheitsrichtlinien für Hochfrequenzstrahlung fest, die alle Telefone vor dem Verkauf erfüllen müssen.
In Europa übernahm die Empfehlung des Europäischen Rates 519/1999/EC die Empfehlungen der Internationalen Kommission für den Schutz vor nicht-ionisierender Strahlung (ICNIRP-Leitlinien 1998). Die aktuellen Referenzstandards und Grenzwerte sind unten aufgeführt.
USA
1,6 W/kg
Pro 1 Gramm Gewebe
FCC-Richtlinien
ANSI C95.1 (1992)
Europa
2,0 W/kg
Pro 10 Gramm Gewebe
Europäische Norm ES 59005
ICNIRP-Leitlinien 1998
Australien
1,6 W/kg
Pro 1 Gramm Gewebe
ACA-Standard
AS/NZS 2772.1 (1999)
TOCA RF Check: Expositionsstufen
Das RF-Check-Tool klassifiziert Telefone anhand des EU-Körper-SAR-Werts (W/kg über 10 g Gewebe) in drei Stufen.
Niedrig
< 0,6 W/kg
Deutlich unter dem gesetzlichen Grenzwert. Geringe Absorption bei typischer Nutzung.
Mittel
0,6 – 1,0 W/kg
Im sicheren Bereich. Trageabstand und Nutzungsgewohnheiten sind zu berücksichtigen.
Hoch
> 1,0 W/kg
Über der Hälfte des gesetzlichen Grenzwerts. Körperkontakt ist ein relevanter Faktor.
Wie SAR gemessen wird
Das Phantommodell
Eine Flüssigkeit, die die elektrischen Eigenschaften menschlichen Gewebes simuliert, wird in einen SAM (Specific Anthropomorphic Mannequin) gefüllt. Das elektrische Feld des Testtelefons wird mit einer Miniaturmesssonde im Inneren des SAM abgetastet. Der Test umfasst mindestens vier Positionen: rechte und linke Kopfseite in Neige- und Wangenpositionen, um den maximalen SAR-Wert über alle Frequenzbänder zu ermitteln.
Frequenzabhängige Flüssigkeiten
Die Phantomflüssigkeiten simulieren die HF-Absorptionseigenschaften menschlichen Gewebes. Sie sind frequenzabhängig: Eine Flüssigkeit für 1800 MHz unterscheidet sich von einer für 900 MHz. Dies erklärt, warum die SAR-Skalen zwischen den USA und der EU leicht abweichen.
Messstandards spiegeln reale Nutzung wider
Früher wurde das Telefon beim Test in einem Abstand von 15 bis 25 mm vom Phantom platziert. Das entsprach nicht der Art, wie die meisten Menschen ein Telefon halten. Der Standard wurde auf 5 mm aktualisiert, was der typischen Nutzung am Ohr näherkommt.
Jedes Telefon ist darauf ausgelegt, die minimal erforderliche Sendeleistung für den Netzempfang zu nutzen. Der tatsächliche SAR-Wert im Betrieb liegt daher in der Regel unter dem zertifizierten Höchstwert.
Strahlung ist allgegenwärtig
Natürliche Strahlung ist seit jeher Teil unserer Umwelt. Das Ausmaß künstlicher Strahlung ist in den letzten Jahrzehnten durch die wachsende Zahl technologischer Geräte stark angestiegen.
Globale Mobilfunkanschlüsse seit 1998
Mobiltelefone sind das weltweit am häufigsten genutzte elektronische Gerät. Mobiles Internet überholte Desktop-Nutzung im Jahr 2014. Wir tragen unsere Telefone meist nahe am Körper, meistens in der Hosentasche.
Technologie ist uns näher denn je. Unsere Häuser und Straßen sind von elektromagnetischen Feldern durchdrungen. Längerer, enger Kontakt mit diesen Geräten könnte sich möglicherweise negativ auf uns auswirken.
Telefon / WLAN
2,45 GHz
Laptop
10 MHz
Router
5 GHz
Stromleitungen
50 Hz
Sicherheitsstandards halten mit dem technischen Fortschritt nicht Schritt
Die SAR-Grenzwerte für Telefone wurden 1993 festgelegt, als weniger als 10 % der Bevölkerung ein Mobiltelefon nutzte. Der Standard wurde zu einer Zeit eingeführt, als kaum Datenübertragung stattfand. Bei heutigen SAR-Konformitätsprüfungen werden alle Datenübertragungen während der Messung weiterhin deaktiviert.
Die meisten Hersteller konzentrieren sich auf dünnere, schnellere Telefone, ohne SAR-Werte oder potenzielle Gesundheitsauswirkungen auf ihre Kunden zu berücksichtigen.
Manche Erfindungen brauchten Jahrzehnte, bis ihre Schädlichkeit belegt war
Es lohnt sich, daran zu erinnern, dass einige weit verbreitete Technologien in der Geschichte Jahrzehnte benötigten, bis ihre Schäden wissenschaftlich nachgewiesen wurden.
1920er-Jahre
Schuhfluoroskope werden erfunden und in Schuhgeschäften installiert. Röntgenstrahlen zur Passformkontrolle galten als normale Praxis.
1927
Erste wissenschaftliche Bedenken gegenüber Röntgenexposition werden geäußert, doch die weitverbreitete Nutzung hält noch Jahrzehnte an.
1950er-Jahre
Studien belegen einen Zusammenhang zwischen Schuhfluoroskopen und Hautkrankheiten bei Geschäftspersonal. Belege für Schäden häufen sich langsam an.
1970er-Jahre
Schuhfluoroskope werden in den meisten Ländern verboten. Zwischen der weitverbreiteten Nutzung und dem regulatorischen Eingreifen vergingen Jahrzehnte.
Je stärker wir auf unsere Geräte angewiesen sind, desto mehr gilt einst übermäßige Smartphone-Nutzung als normal. Die wachsende Besorgnis unter Wissenschaftlern und in der Öffentlichkeit über mögliche Schäden durch Mobilfunkstrahlung erfordert weitgehendere Forschung.
Warum die Reduzierung der EMF-Belastung wichtig ist
Warum sollte das relevant sein?
Unter Wissenschaftlern und in der Öffentlichkeit wächst die Sorge über mögliche Gesundheitsschäden durch Mobilfunkstrahlung. Belege und Forschungsergebnisse existieren, doch der Bedarf an weiteren Studien bleibt hoch, da einige Fragen noch ungeklärt sind.
Gesundheitliche Implikationen
Forschungsergebnisse liefern vorläufige Hinweise darauf, dass HF-EMF Gehirnfunktionen wie das figurale Gedächtnis in den am stärksten exponierten Bereichen beeinflussen könnte. Kinder sind gegenüber EMF-Exposition anfälliger als Erwachsene.
Die Weltgesundheitsorganisation klassifizierte EMF 2011 als möglicherweise krebserregend.
Unabhängige Wissenschaftler stützten ihre Einschätzung auf Krebsstudien an Menschen und Tieren sowie weitere relevante Daten. Es wurde auch ein internationaler wissenschaftlicher Appell verfasst, der Schutz vor nicht-ionisierender elektromagnetischer Strahlung fordert.
Wissenschaftler, die sich mit den Gefahren von EMF-Strahlung befassen, stellten folgende Forderungen:
Finanzielle Transparenz
Medien sollten finanzielle Verbindungen von Experten zur Industrie offenlegen, wenn diese über die Sicherheit von EMF-emittierenden Technologien berichten.
Strengere Regulierung
Richtlinien und gesetzliche Standards sollten verschärft werden. Warnhinweise auf Telefonen sollten verpflichtend sein, um Verbraucher über mögliche Nebenwirkungen zu informieren.
Öffentliches Bewusstsein
Die Öffentlichkeit sollte vollständig über potenzielle Gesundheitsrisiken durch elektromagnetische Energie informiert und in Risikominderungsstrategien unterwiesen werden.
Forschung
Regierungen sollten unabhängige Forschung zu elektromagnetischen Feldern und Gesundheit finanzieren und die Zusammenarbeit der Industrie mit Forschenden vorschreiben.
Medizinische Ausbildung
Medizinisches Personal sollte über biologische Wirkungen elektromagnetischer Energie aufgeklärt und in der Behandlung elektrosensitiver Patienten geschult werden.
Sauberere Energie
Energieversorger sollten eine angemessene Stromqualität sicherstellen und schädliche Erdströme minimieren.
Strahlungsfreie Zonen
Für elektrosensible Menschen sollten strahlungsfreie Zonen eingerichtet werden: ohne WLAN-Router, intelligente Messgeräte oder Mobilfunkmasten.
Schutz
Kinder und Schwangere sollten den höchsten Schutz genießen. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Kinder ein erhöhtes Risiko für negative gesundheitliche Auswirkungen durch Strahlung tragen.
Sicherere Produkte
Hersteller sollten ermutigt werden, sicherere Technologien zu entwickeln. In vielen Ländern wird der Schutz von Schulen und Kindergärten vor schädlicher WLAN-Strahlung als wichtig erachtet.
Was die Forschung zeigt
Zu den Gesundheitsauswirkungen von EMF wurde umfangreiche Forschung betrieben. Das Risikoausmaß hängt von Dauer und Intensität der Exposition ab. Ein Großteil der Forschung ist nicht abschließend, einige Studien zeigen jedoch Korrelationen zwischen EMF-Exposition und Gesundheitsauswirkungen.
1.670 begutachtete EMF-Studien (1979–2018), Kategorie Mobil- und Schnurlostelefone
NTP-Tierstudie
Das National Toxicology Program stellte fest, dass bestrahlte Tiere häufiger Gehirntumoren entwickelten. Der Risikoausstieg war gering, angesichts der Seltenheit dieser Tumoren jedoch bemerkenswert.
Fruchtbarkeit
Mehrere Studien ergaben, dass Spermien, die Mobilfunkstrahlung ausgesetzt waren, 3 bis 4 Mal schneller abstarben als nicht exponierte Proben.
Gliomrisiko
Eine kanadische Studie ergab, dass rund 550 Lebenszeitstunden Telefonnutzung das Risiko, ein Gliom zu entwickeln, leicht erhöhen könnte.
GERoNiMO-Projekt
Eine EU-geförderte Studie (Zuschuss 603794) unter der Leitung von ISGlobal mit 19 Partnern aus 13 Ländern, die Forschung, Risikobewertung und Risikomanagement zur EMF-Exposition integriert.
HF-EMF und Gehirnentwicklung Jugendlicher
Eine Studie von Swiss TPH / GERoNiMO ergab, dass kumulative HF-EMF-Hirnexposition über ein Jahr die figurale Gedächtnisleistung bei Jugendlichen beeinträchtigen könnte. Die Ergebnisse sind vorläufig.
Weitere berichtete Gesundheitszusammenhänge umfassen: Gehirntumoren, Alzheimer, Sprachprobleme, reduzierte Melatoninproduktion, Leukämie und erhöhte Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke.
Wer besonders vorsichtig sein sollte
Die auf dieser Seite dargestellten Erkenntnisse gelten für alle. Bestimmte Gruppen sollten beim Begrenzen der elektromagnetischen Strahlenexposition besondere Vorsicht walten lassen.
Kinder
Der Körper von Kindern befindet sich noch in der Entwicklung. Elektromagnetische Strahlung dringt aufgrund des höheren Gewebewassergehalts und dünnerer Schädel tiefer in das Gehirn von Kindern ein als bei Erwachsenen. Belgien und Frankreich haben Telefone verboten, die speziell für Kinder vermarktet werden.
Schwangere Frauen
Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die Nutzung von Mobiltelefonen während der Schwangerschaft mit einem erhöhten Risiko für Sprachprobleme, emotionale Schwierigkeiten und Verhaltensauffälligkeiten einschließlich Hyperaktivität beim Kind verbunden sein könnte.
Menschen mit chronischen Erkrankungen
Personen mit chronischen Erkrankungen können empfindlicher auf Umweltfaktoren einschließlich EMF reagieren. Die Angabe von SAR-Werten hilft diesen Personen bei fundierten Entscheidungen.
Exposition begrenzen heißt nicht, auf Technologie zu verzichten
Elektronische Geräte vollständig aus dem Alltag zu verbannen ist weder sinnvoll noch realistisch. Kleine, konsequente Gewohnheiten genügen, um die eigene Exposition besser im Griff zu haben.
Die EMF-Belastung wo möglich zu begrenzen, ist sinnvoll.
Der Aufwand ist gering, und es gibt viele Hinweise darauf, dass es vorteilhaft sein könnte. Bewusstsein und Vorsicht kosten nichts.
SAR-Wert deines Handys prüfen
Suche in der TOCA RF Check Datenbank mit über 1.000 Geräten.
Quellen (47)
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